DIE GESCHICHTE DER MATERIE


Astronomenteam blickt ins tiefe Universum

Nach dem Urknall herrschte, so die Überzeugung US-amerikanischer Forscher, erst einmal Funkstille. Bis zur Entwicklung der ersten Sterne hat sich das jugendliche Universum offensichtlich viel Zeit gelassen.

Ein internationales Astronomenteam will zum ersten Mal in die ganz frühen Jahre des Universums geblickt haben - in eine Zeit, als die heutigen Sterne und Galaxien noch gar nicht geboren waren. Wie die "Los Angeles Times" berichtet, präsentierte sich das Universum, als es vor rund 15 Milliarden Jahren entstand, über viele Jahrmillionen als Wüste, bevor sich die ersten Strukturen aus dem Gas des Urknalls bilden konnten.

"Es dauerte eine lange Zeit, rund 900 Millionen Jahre, bis die Gravitation ihre Arbeit vollbracht hatte und das Gas zu Klumpen verdichten konnte", sagt Robert Becker von der University of California in Davis. Bei ihren Untersuchungen konnten die Forscher auf den Sloan Digital Sky Survey zurückgreifen, ein ambitioniertes Projekt, mit dessen Hilfe mehr als 200 Millionen Objekte am Himmel entdeckt und katalogisiert werden sollen.

Unter den dort verzeichneten Himmelskörpern ist mit einem erst im April dieses Jahres entdeckten Quasar auch das - nach bisherigem Kenntnisstand - am weitesten von der Erde entfernte Objekt. In einer Distanz von rund 14,5 Milliarden Lichtjahren strahlt der Quasar mit einer Kraft von Milliarden Sonnen große Energiemengen ins All. Genug Licht, um es selbst von der Erde noch ausmachen zu können. Beim Studium des fernen Lichts stießen die Astronomen nach eigenen Angaben auf einen seltsamen Schatten: Das Spektrum des Quasars, aufgenommen mit dem derzeit leistungsstärksten optischen Teleskop, zeigte charakteristische Absorptionslinien - genau im Bereich des Wasserstoffs. Das leichteste Element schluckt allerdings nur Licht, wenn es neutral und nicht ionisiert ist.

Daraus schließen die Astronomen, dass in den frühen Jahren des Quasars das Universums in Teilen neutral gewesen sein muss. Zumindest, so Becker, waren "Galaxien und Sterne keine dominierende Kraft".

 
    
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Eine Beobachtung, die auch Forscher vom California Institute of Technology bestätigen können. Wie die Wissenschaftler am Montag verkündeten, haben sie einen etwas jüngeren Quasar unter die Lupe genommen - und damit zwar nicht die Urzeiten, wohl aber "die Renaissance gesehen", so Daniel Stern vom Jet Propulsion Laboratory in Pasadena. Beide Gruppen wollen ihre Ergebnisse in einer der kommenden Ausgaben der Fachzeitschrift "Astrophysical Journal Letters" veröffentlichen.

Die jetzt untersuchten Quasare geben allerdings nur einen begrenzten Einblick in die Jugendjahre des Universums, in eine Zeit, als sich die Eigenschaften des Gases dramatisch änderten. Wie es letztlich dazu kam, kann auch der energiegeladene Himmelskörper nicht klären. Hierzu müssen die Forscher noch ältere Strukturen entdecken. "Ich hoffe, wir finden in den nächsten Jahren noch entferntere Quasare", sagt Becker, "damit wir dieses Problem endlich lösen können."

 

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Wilfried Louis   2001