2005
 

       MEDITATION

Satori 
(Erleuchtung)

Wer die Morgenröte sehen will,
der muss durch die Dunkelheit gehen. 

Wer den Ursprung des Seins in der Erkenntnis der Naturwissenschaft sucht, der wird in das Loch der Unendlichkeit fallen.
Die Wahrheit liegt in uns selbst; diese Erkenntnis ist zwar nicht neu, doch der Weg zu dieser Wahrheit liegt in dem Geheimnis der meditativen Stille und Einsamkeit. Denn nur wer seinen suchenden Gedanken überwindet, findet das Absolute.

Eine sich deutlich abzeichnende Konvergenz  zwischen der Physik und der Philosophie besteht in der Annahme, dass die Existenz der Materie über ein Bewusstsein geprägt wurde. Diese kosmische Schöpfungs-Kraft  ist, im Gegensatz zu unserem auf individuelle Reize basierendes Bewusstsein, universell, zeitlos und somit kognitiv nicht beeinflussbar. Um das Bewusstsein dieser ursprünglichen Schöpfungskraft  zu erkennen  müssen wir ein Teil von ihr werden. Das heiß; bei der Suche nach dem Ursprung unserer Welt reicht es nicht, wenn wir sie in ihre materiellen Einzelteile zerlegen, wir müssen einen Weg finden, der uns in der universelle Gesamtheit einbezieht. Dies ist nach asiatischer Philosophie nur möglich, wenn wir unser bewusstes "Ich" überwinden um uns von allen äußeren Einflüssen zu befreien.
Das "Tao" *oder der Weg zur individuellen und zugleich universellen Bewusstseinsöffnung führt über die psychische Energie aus der inneren Versenkung

Die Meditation oder die meditative Konzentration versetzt den Menschen in einen neuen Energie-Zustand der eine neue bzw. ursprüngliche kosmische Beziehungen zulässt.

Im Hinduismus beschreibt man diese Phase der Konzentration als eine Befreiung der negativen Energie. Der Übergang der Meditation zu einer körperlichen Erstarrung nennt man "Samôdhi". Der Körper ist versteinert und unbeweglich, sein Stoffwechsel ist praktisch Null und befindet sich in einer Art der Konservierung. In der hinduistischen Religion ist dies die höchste Form der Meditation. In der Lehre über den  "Samôdhi" gibt es den Begriff OBE (Out of Body Experience) was Erfahrung außerhalb des Körpers bedeutet. Eine Trennung von Körper und Seele oder Körper und Bewusstsein. Ein Zustand wie er z: B. in einem Traum möglich ist - man beobachte sich selbst in einer anderen Welt, obwohl der Köper ruhig schläft -. Diese Befreiung der Seele in Form einer Bewusstseinserweiterung entspricht auch der buddhistischen Lehre über die Meditation. Hier nennt man die höchste Form der meditative Befreiung "Satori" (Erleuchtung).


Buddhistischen Weisheiten in der meditativen Befreiung, als eine westliche Möglichkeit auf der Suche nach dem Sinn der Schöpfung, bilden den Kern meiner Ausführungen 

(andere Wege einer Bewusstseinsvertiefung wie: Samôdhi, Hypnose, religiöse Besinnung, Psychoanalyse, um nur einige zu nennen, sollen hier als weitere Möglichkeit nicht ausdrücklich bewertet werden.)

Doch warum geistige Versenkung, wenn ich einen Intellekt besitze ?

Unsere Intelligenz besitzt die Fähigkeit der Analyse, dass Ergebnis dieser Analyse ergibt sich aus der Bewertung von vielen Einzelinformationen . Diese Daten sind u.a.  Sinneswahrnehmungen aus unserer Umwelt, die in enger Verbindung mit unserer Lebenserfahrung und dem gegenwärtigen emotionalen Zustand stehen . Doch eine noch so intelligente Wahrnehmung ist qualitativ und quantitativ gefiltert und hat immer einen kognitiven Hintergrund, das heißt unsere Wahrnehmungsfähigkeit ist geistig und psychisch gesteuert. Durch diesen gedanklichen Austausch mit unserer Umwelt ist es  nicht möglich eine denkunabhänige Welt zu erkennen   Wie soll eine intellektuelles Individuum mit seinen subjektiven Raster von Wahrnehmungen, den Sinn der Schöpfung, zwischen gedanklicher Möglichkeit und realer Wirklichkeit, erkennen? Wir können die Wahrheit nur erkennen, wenn wir die Distanz zwischen dem inneren Bewusstsein und der äußeren Wahrnehmung verlieren. Das heißt unser geistige Energie muss sich mit der kosmischen Energie vereinigen. Nur wenn wir uns von der äußeren Objekt-Wahrnehmung lösen, wird unser inneres Bewusstsein frei für das Absolute. Solange unser Verstand zwischen Gut und Böse, zwischen Haben und Sein abwägen muss, also vorgelebte Entscheidungen trifft, solange sind wir nicht frei und nicht bereit für einen Weg in die absolute Freiheit des Universums.

Alles, was wir sind, ist das Resultat was wir gedacht haben. Unsere Existenz basiert auf Gedanken:
"Buddha"

Schankara legte im 8. Jahrhundert n. Chr. und war ein großer Denker Indiens (nach Buddha). Als er auf der "Brahmanischen Universität" die heiligen Bücher Indiens (Veden) studierte, war stets die Rede von vielen Göttern. In den Vedanta- Texten aber gab es nur einen Gott ,der Schöpfergott "Brahman". Schankaras Kommentar:
Was wir Wissen nennen sei lediglich die Verarbeitung von Erfahrungen die wir durch unsere Sinne aufnehmen. Dieses Wissen bezeichnet er als "Maya" als Täuschung. Auch die der Veden seien Täuschung. Das wahre Wissen (vidya) findet man, wenn man hinter den Schleier der Täuschung schaue. Dort zeigt sich "Brahman" - die entgültige Wahrheit
Schankaras Philosophie nahm nicht nur modernes Denken vorweg (siehe E. Kant "Erscheinungen von dahinter stehenden Dingen), es war auch ein genialer Kompromiss, den beide Sichtweisen sie haben keinen Widerspruch sondern gleiche Gültigkeit, "Maya" und "Brahman" sind letztlich zwei Stufen einer einzigen Wahrheit. Er nannte seine Lehre "Advaita" - Zweiheitlosigkeit -
Schankara gilt heute in Indien als die Inkarnation des Gottes "Schiwa",

Wer eine innere Beziehung zu den Phänomenen dieser Welt eingehen will muss , nach der Lehre des Zen-Buddhismus,den Einfluss seiner Sinne und dessen intellektueller Interpretation überwinden, auch wenn es seinen Bedürfnissen widerstrebt. Das heißt: Sitzen und Schweigen. Den ständig nachdrängenden Gedanken zur Ruhe bringen. Die Gedankenübungen schaffen Distanz zur Ebene der Wahrnehmungen, sie vermindern das Anhaften an das vergängliche Reich der Sinne, der Geist soll schweigen. Irgendwann drängt sich die Frage auf: wer ist dieses »Ich«, das da übt und denkt. Selbst dieses Fundament, auf dem die Persönlichkeit ruht, ist nach Buddhas Lehre, ein trügerisches Konstrukt. Wer die Erleuchtung erreichen will, muss auch die Ich - Vorstellung in Frage stellen und überwinden. Für diese schwierige Übung gilt intellektuelle Durchdringung, allein, als unzureichend. Zum Schlüssel wird die Meditation. Mystiker aller Konfessionen und Epochen haben sie praktiziert; aber kaum irgendwo spielt sie eine so zentrale Rolle wie im Buddhismus. Mit der Methode der meditativen Durchdringung des Bewusstseins attackieren die Buddhisten eine Hürde, die Neurowissenschaftler beim erforschen des Bewusstseins beinahe zur Verzweiflung treibt: Der Geist ist ein untaugliches Instrument, um sich selbst objektiv zu analysieren. Er mischt sich stets als Subjekt in die Beobachtung ein. Meditation ist die Kunst, den Geist dabei zu überlisten. Sie geht, wie der Dalai Lama sagt, "vom inneren der Festung aus", um "dann Schritt vor Schritt vorzudringen":3)

 

    Sitzen.
    Schweigen.
    Nicht denken.
    Auch nicht ans Nichtdenken denken..

    Die Meditation ist der Ausgangspunkt. Zu Beginn sollte man Sitzen. Man sollte sich disziplinieren. Es genügt nicht nur zu sitzen. Nicht nur der Körper muss sitzen; auch der Verstand muss sitzen. Der Verstand soll nicht umherwandern. Solange der Verstand nicht beherrscht wird, gibt es keine Meditation. Es ist das wandern des Verstandes selbst, das die Welt ausmacht.
Dies ist so schwierig wie das erlernen der Quantenmechanik, es ist ein Experiment welches Geduld, Ausdauer und Willenskraft erfordert. In dieser Phase des Übens, so die Interpretation der Zenbuddhisten, taucht der Meditierende in die Tiefe des universellen Bewusstseins. Körper und Seele bilden eine feste Beziehung zur übrigen Welt, nichts stört alles zieht vorbei und hinterlässt keine Spuren. -Der innere Frieden ist vollkommen-. Der Suchende ist am Ziel, er hat das Absolute die Erleuchtung ("Satori") erlebt.1)
Dieser von allen Wahrnehmungen gereinigter Geist hat die Fähigkeit, mit seiner universellen Beziehung eine Rückbesinnung an den Moment, vor dem Urknall zu gelangen, wo das Potential aller Entwicklungen schon enthalten ist. 2) Sein Körper als biologische Vergänglichkeit ist zwar weiterhin zum sterben geboren, doch sein Bewusstsein erfährt eine unsterbliche universelle Beziehung, Sie ist die Inkarnation der Freiheit und Glückseligkeit. Diese Beziehung mit dem Universum erfährt der Mensch sonst nur nach seinem Tod.

Hier treffen die mit Worten unerklärbare Erkenntnisse  der Physik und die Weisheiten der östlichen Mystik zusammen. Um die Welt der subatomaren Teilchen in der Quantenmechanik zu erklären, werden klassische Begriffsbestimmungen überschritten, indem man zu einer höheren Dimension übergeht.
Das Erlebnis einer höheren Dimensionalität wird ebenfalls durch die Integrierung  verschiedener Bewusstseinszentren erreicht. Dies bewirkt die Unbeschreibbarkeit gewisser  Meditationserlebnisse, auf der Ebene einer mehrdimensionalen, universellen Beziehung .So lassen die Phänomene der Quantenmechanik in der Physik oder die Bewusstseinserweiterung durch die Meditation keine dreidimensionale Logik zu. Diese abstrakte und vielleicht willkürlich erscheinende Definition zeigt, dass eine mystische Beziehungsebene keine allgemein verbal gültige Beschreibung, nach westlichem Verständnis, zulässt. Diese Unerklärbarkeit verzerrt das Bild von Erlebnis und Erkenntnis. Für das Erlebnis eines Bewusstseinzustandes, fehlt das, für die Wissenschaft unerlässliche Modell, als Nachweis für die Erkenntnis. Es fehlt das Kausalitätsprinzip. Doch wie soll man einem Blinden die Farbe rot erklären oder das Farbenspiel eines Regenbogens beschreiben.
Schon der Begründer der Psychoanalyse "Sigmund Freud" sagte über die Bewusstseinserweiterung: Nur der könne über sie mitreden, der ihre Wirkung selbst erfahren hat. Der berühmte indische "Advaita" (Nondualismus) Meister "Ajja" betonte in einem Interview. Wenn man Phänomene der Physik mit mathematischen  Gleichungen erklärt bleibt es ein Ereignis von Zahlen. Erklärt man die wunderbare Erfahrung von Satori mit eigenen Worten, so bleiben mystische Dinge nichts als Worte.

Alles was man nicht beweisen kann, kann man nur glauben oder ignorieren.

Wer täglich eine Stunde versucht seine Gedanken zu überwinden wird, nach buddhistischer Philosophie,  durch die wachsende Klarheit seines Geistes die tiefe seines Bewusstseins neu erleben. Diese Aussage hat nicht nur einen philosophischen sondern auch einen wissenschaftlich messbaren Hintergrund. Die kognitive Arbeit unseres Gehirns basiert auf elektrische Impulse. Diese Schwingungen werden in Alphawellen (8 bis 12 Hz), Betawellen (13 bis 30 Hz) Thetawellen (4 bis 7 Hz) und Deltawellen (1 bis 3 Hz) unterteilt. Eine weitere Entdeckung ist die Eigenschaft des Gehirns, sich nach kurzer Zeit auf eine von außen verstärkte Frequenz einzuschwingen. Diese Stimulation durch sogenannte Brain - Machines verhilft zu einer Dominanz bestimmter Hirnfrequenzen und hat als "Instanz Meditation" in USA und Japan Furore gemacht. Eine Stimulation der Thetawellen fördert die Fitness des Gehirns durch Entspannung, wobei Geist und Körper eine ganzheitliche Durchdringung erfährt. Dabei sind es nur rhythmische Licht- und Toneffekte oder elektrische Schwingungen die Neurotransmitter anregen die dadurch körpereigene Opiate, wie die Endorphine, ausschütten. Diese High -Tech -Meditation kann zwar keine Überwindung kognitiver Wahrnehmungen bewirken und somit auch keine Bewusstseinsöffnung, die einer Satori -Erfahrung gleich kommt. Sie ist aber ein wissenschaftliches Modell, welches beweist, dass unser Bewusstsein durch äußere Reize (elek. Impulse) manipuliert werden kann, welches zu einer zeitlich begrenzten körperlichen und geistigen Veränderung führt.4) Das heißt, dass unser Bewusstsein in einer engen Beziehung zu unseren Hirnnerven bzw. Neuronen steht. Äußere Reize und inneres Bewusstsein haben einen gemeinsame Schaltstelle -Das Gehirn-
Doch jetzt kommt das alte methodische Problem: Was ist Bewusstsein? Um Bewusstsein zu erforschen, muss ich bewusst sein, doch wie soll ich mit meinem Bewusstsein objektiv erforschen? Bewusstseinforschung kann nur von einem erweiterten Bewusstsein bzw. von außen objektiv erfolgen. Sigmund Freud tat dies über den Königsweg des Unterbewusstseins; und deutete die Psyche über die Symbolik der Träume. Jung und Reich sehen das Bewusstsein eher als eine Spirale an, als energetisches Etwas, das, über welche Frequenzen auch immer, im Prinzip mit dem ganzen Universum in Kontakt ist.
Um dies zu verstehen müssen wir uns die Entdeckung und die Ergebnissee der Quantenphysik vergegenwärtigen, die ebenfalls nur über ein erweiterten Bewusstsein zu verstehen ist. In der Quantentheorie gibt es keine objektive Wirklichkeit. Sie existiert nur als eine Wahrscheinlichkeitswolke, zwischen Welle und Materie, als ein Zustand von Möglichkeiten, aus der sich eine Wirklichkeit erst im Akt der Beobachtung kristallisiert. Darüber hinaus besteht in dieser subatomaren Welt eine ganzheitliche Verknüpfung, die keine Voraussage mehr zulässt. Die Quantenphysik beweist uns, dass es eine universelle Beziehung aus dem "Nichts" exsistiert, die der meditativen Bewusstseinsöffnung, im Zen-Buddhismus, gleich kommt.

Der Gehirnforscher "Carl Pribram" stellte bei Wahrnehmungsversuchen von Affen fest, dass z.B. Bildinformationen schneller transportiert werden, als dies Gehirnströme eigentlich können. Dies blieb, solange ein Rätsel bis 1947 der Physiker "Denis Gabor" auf die Idee kam, einen Gegenstand durch Spaltung eines Lichtstrahls quasi stereo zu fotografieren. Hierbei entstand ein gesamtes Bild und nicht eine zweidimensionale Vortäuschung. Er nannte dieses Bild "Hologramm". Denn Effekt; der praktisch erst mit der Erfindung des Laserstrahls nutzbar wurde, erklärte Gabor mit den Interferenzwellen beider Lichtstrahlen. Das interferieren beider Wellen wird auf das Dia gebrannt, das von einem Laserprojektor als dreidimensionales Abbild erscheint, ( siehe: http://www.burg-halle.de/~nimoe/ ) Das entscheidende für den Gehirnforscher Pribram war, wie sich das Hologramm als Bildinformation auf sein Objekt verbreitet. Zerschneidet man ein Dia in zwei Hälften sieht man nur das halbe Bild, zerschneidet man es dann noch mal erhält man nur noch einviertel dieses Abbildes usw. Bei einem holographischen Dia zeigt jedes einzelne zerschnittene Teil weiterhin das gesamte Bild, nur wird die Projektion langsam unschärfer. Pribram war überzeugt, dass dieses Modell das Denken und die Speicherung von Bewusstseinsinhalten entspricht. Unsere holographischen Wahrnehmungen werden von Dendriten aufgenommen und geben es durch elektrische Impulse (Wellen) an Neuronen weiter, durch den visuellen Input und der neurologischen Auswertung wird die Information von einer dritten Gruppe von Nervenzellen aufgenommen, die diese Information in Proteine prägt, die wie photographische Platten, als Informationsträger dienen. Damit war zumindest in ihren Grundzügen der Weg von der Wahrnehmung bis zur unbewussten Erinnerung geklärt. Auch die Probleme der schnellen Informationsübermittlung bei den Affenversuchen wurde durch die holographischen Speicherung gelöst. Nicht nur die Farbzellen und die damit verbundene Bildspeicherung über die Neuronen sind für die visuelle Wahrnehmung verantwortlich, jedes einzelne Neuron des Gehirns ist über die gesamte Wahrnehmung informiert. Selbst ein winziges Teilstück dieses holographischen Abdruckes kann das gesamte Bild rekonstruieren. Diese ungeheuere Speicherkapazität des Gehirns steht auch im Einklang mit dem Phänomen des photographischen Gedächtnisses oder das der Phantomschmerzen von abgetrennten Gliedern. Auch wenn Teile des Körpers abgetrennt wurden existieren ihre Information noch im gesamten Körper. Seit dieses umstrittene Modell von Pribram 1966 veröffentlicht wurde, ist es von vielen Forschern aufgegriffen worden. Auch wenn es keineswegs die einzige These über die Funktionsweise des Gehirns ist, ist sie in der Lage, auch die Paradoxien der Quantenphysik, wie den gesamten Bereich des Übernatürlichen einzubeziehen. Diese weitreichenden Konsequenzen eines "Holographischen Universums" hat Michael Talbot in seinem gleichnamigen Buch beschrieben:

»Wenn das Bild der Wirklichkeit in unserem Gehirn gar kein Bild ist, sondern ein Hologramm, wessen Hologramm ist es dann ? Das Dilemma das in dieser Frage steckt, ist vergleichbar einer Situation, in der man eine Polaroidaufnahme von einer Menschengruppe macht, die an einem Tisch sitzt und bei der Entwicklung des Bildes feststellt, dass statt der Personen nur verschwommene Interferenzmuster um den Tisch angeordnet sind. In beiden Fällen kann man mit Recht fragen: Welches ist die wahre Realität - die scheinbar objektive Welt, die der Fotograf wahrnimmt, oder das Gewirr von Interferenzmustern, das die Kamera bzw. das Gehirn registriert ? Pribram wurde folgendes klar: Wenn man das holographische Modell zu Ende denkt, ergibt sich die Möglichkeit, dass die objektive Realität ..... überhaupt nicht existiert, zumindest nicht in der Form, die wir für gegeben halten. könnte es sein das das wahr ist was die Mystiker Jahrhundertlang für wahr erklärt hatten, das die Wahrheit Maya ist also eine Illusion , und das die Außenwelt eine unermessliche, in Schwingungen versetzt Symphonie aus Wellenformen, einen Frequenzbereich, der sich erst in die uns bekannte Welt verwandelt, nachdem er von unseren Sinnen aufgenommen worden ist«?
Michael Talbot: Das holographische Universum - Die Welt in neuer Dimension - (1992)

Höhere Bewusstseinstufen wurden lange Zeit als pathologisch eingestuft, erst der Psychiater "Richard M. Brucke sorgte mit seiner Studie "Kosmisches Bewusstsein" Anfang des Jahrhunderts für eine nüchterne Aufklärung:

  Warum erwähnte Homer in seinen Epos über die Reisen des Odysseus nicht ein einziges mal die Farbe des Himmels ?
  Warum taucht die Farbe des Firmaments in der Rig Veda und anderen östlichen Mythen genauso wenig auf wie in der Bibel, dessen über 400 Himmelsbeschreibungen allesamt farblos blieben ?

Bewusstseins- und Sprachhistoriker haben für das Rätsel eine einfache Erklärung. Die Farbe blau ebenso die meisten andern Farben waren vor einigen tausend Jahren, als diese Mythen entstanden, einfach nicht bekannt. Der sich herausbildende Farbsinn kannte zu Anfang nur zwei Unterscheidungen "Schwarz" und "Rot", wobei "Schwarz" alle Blau- und Grüntönen und "Rot" das Spektrum von Weiß und Gelb mit einschloss. Erst in den letzten 2500 Jahren ist aus dieser ursprünglichen Farbblindheit die gesamte Facette von Farbnuancen hervorgegangen. Dieses Beispiel stellte Bucke seiner Arbeit über die Evolution des menschlichen Geistes voran. Kosmisches Bewusstsein hat für ihn weder mit Okkultem oder Mystik zu tun, noch tut er die Erleuchtungs-Erlebnisse als Halluzinationen ab. Vielmehr definiert er die Phänomene als einen klar definierbaren psychisch-geistigen Zustand eines kosmischen Sinnes. Dieses aus der Evolution entwickelte Ichbewusstsein des Menschen, der selbstreflektierende Geist, ist für Bucke nicht der Endpunkt der Evolution, sondern der Ausgangspunkt in eine höhere Bewusstseinsstufe - und die von den Erleuchteten aller Zeiten als Vorläufer bereits erreicht wurde. Als ein weiteres Indiz für die Realität dieser Bewusstseinserweiterung wertet Bucke die Tatsache, dass die Berichte über die Erfahrungen des kosmischen Bewusstseins in ihren wesendlichen Zügen vollkommen übereinstimmen, gleich ob sie von Moses oder Sokrates, von Jesus oder von Francis Bacon, von Buddha oder von Dante stammen.4.)5)

Doch da kommt die Erkenntnis der Naturwissenschaft, sie schlägt die Brücke zwischen mystischer Erkenntnis und evolutionärer Entwicklung. Heute gibt es kaum noch eine Hirnfunktion die sich dem Zugriff der Neurobiologen entzieht. Mit Elektroden und optischen Messgeräten sind die Tätigkeiten der Gehirne bis auf das Niveau der Neuronen zu verfolgen. Experimente an Schimpansen zeigten, das es Hirnzellen gibt, die Tätig sind, wenn sich das Gehirn um Vergangenes oder um Zukünftiges kümmert. Entstehung von Dramatik, Träumen oder die Festlegung von aktiven Hirnarealen bei schizophrenen Wahrnehmungen können heute beobachtet und analysiert werden. Hierbei enthüllt sich nichts als bewegte Materie, es lässt sich keine Brücke in ein meditatives "Nichts" oder eine "Bewusstseinsfülle" schlagen. Aus all diesen Ergebnissen meinen die Wissenschaftler nun den Schluss ziehen zu können, dass dem Bewusstsein nur chemische und elektrische Vorgänge entsprechen. Ob Angst, Durst oder Liebe - für alle solche Empfindungen könne man eine Hirnfunktion finden.
So bereitet sich die Verabschiedung einer uralten Vorstellung vor: Die von der »Seele«. Nicht nur Hirnforscher, auch die meisten Philosophen erklären die Frage, ob es ein unsterbliches Etwas gäbe, für erledigt. Es sei da nichts, außer einem Spiel von Molekülen und elektronischen Signalen im Menschen; debattiert wird nur noch wie dies zu deuten ist.
Die Naturwissenschaftler haben damit die Suche nach dem Bewusstsein, einst Domäne der Mystiker und Psychologen, zu ihrer Sache gemacht. Ihr stärkstes Argument haben die Forscher gewonnen, als sie feststellten, dass die Gehirne aller Kreaturen nicht nur ähnlich zusammengesetzt sind, sondern auch ähnlich funktionieren. Da unterscheidet sich der Mensch nicht groß vom Plattwurm, sagt der Frankfurter Hirnforscher Wolf Singer. Nur eine Menge Nervenverschaltungen sind im Lauf der Evolution hinzugekommen. Deswegen steht zu vermuten, dass der Geist des Menschen nicht vom Himmel fiel, sondern im Lauf der Naturgeschichte allmählich herausgebildet hat. Dies entspricht auch im wesendlichen den Modellen von Timothy Leary und Sheldrake über die Evolution von Bewusstsein und Gedächtnis.
Wenn aber selbst die höchsten Hirnfunktionen des "Homo sapiens" bruchlos aus dem Tierreich hervorgegangen sind: Wie wäre dann zu erklären, dass der Mensch ein "Ich" haben soll, der Frosch jedoch keines? Die Neurologen haben nichts dergleichen im menschlichen Gehirn gefunden. Inzwischen glauben wir, sagt Singer, dass der Mensch ohne Sinn für sich selber auf die Welt kommt. Ein Gefühl dafür, wer wir sind müssen wir im Babyalter erst lernen. Im Erwachsenenalter glauben wir dann, dass (erworbene) war immer schon da
.
Sollte unser Bewusstsein das Konstrukt evolutionärer und erzieherischer Zufälle sein, und unser "Ich" als ein eingebildeter Individualakteur entlarvt werden, wo bleibt da noch Platz für den freien Willen? Dann sind unsere gedanklichen Entscheidungen auch nur eine illusionäre Willensfreiheit. Indizien hierfür liefern Untersuchungen am offenen Gehirn (z.B. wenn Patienten vor einer Tumoroperation bei vollem Bewusstsein die Schädeldecke aufgetrennt wird ), Elektroden reizen Bereiche im Vorderhirn, wobei der Patient unwillkürlich seinen Arm hoch hebt. Befragt man die Versuchsperson hinterher nach ihrem Impuls, behaupten sie, sie hätten es so und nicht anders gewollt. Auch andere Versuche wobei aktive Vorgaben durchgeführt wurden, zeigten das der willentliche Entschluss der Versuchsperson später durchgeführt wurde als eine Aktivität der Neuronen.
Auch wenn die Hirnforscher keinen eindeutigen Beweis für ihre These liefern können ( Kein Computer könnte so viele Daten Speichern um Entscheidungen des Menschen bis ins letzte Detail zu simulieren ), so wird der Mensch mit dieser folgenschweren Selbsttäuschung wohl in diesen neuen Jahrtausend leben müssen.10)

Ein weiteres Indiz für diese ernüchternde Erkenntnis ist das wissenschaftliche Modell von Timothy Leary (1975). Danach hat sich die Evolution des Bewusstseins in 8 Schichten bzw. Schaltkreise vollzogen. Der siebte »neurogenetische« Bewusstseins-Schaltkreis enthält das gesamte evolutionäre Drehbuch, dass Archiv der DNS-Erinnerung, dass was Sheldrake als »Gedächtnis der Natur« bezeichnet. Es tritt dann in Aktion, wenn das Nervensystem energetisch Signale aus dem Inneren einzelner Neuronen empfängt, sich also in den "Biophotonischen Informationsstrom" des Lebens selbst einklingt. Die Weisen nannten diesen Bewusstseinszustand »Brahmen«, die Griechen »Vision des Pan« die Hindus »Atman« und die Chinesen »Tao«. Die Energie solcher Mutationserlebnisse kommen aus der "Leere" der meditativen Stille. Für den Advaita-Philosophen und den Zenbuddhisten öffnet sich in dieser Bewusstseinphase das Tao der Erleuchtung, die Wahrheit wird zur Wirklichkeit, Ursache und Ereignis verschmelzen zu einem Seienden.

Diese Bewusstseinserweiterung aus dem gedanklichen "Nichts" ist, nach den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und philosophischen Erwägungen, ein energetisches Ereignis, also "Materie". Es stellt sich weiterhin die Frage: Ist Satori ein energetischer Vorgang, der sich als eine  verborgene DNS-Information, aus den Klammern des Unbewussten befreit ? Dann wäre die Erleuchtung eine neurologisch gesteuerte Rückbesinnung an den kosmologischen Anfang unseres Universums, da wo die Zeit Ihren Anfang hat, wo Ursache und Ereignis ihren evolutionären lauf nahm, Bewusstsein und Materie bildeten eine Raumlose Einheit. Diese Rückbesinnung ist ein neurologischer Quantensprung in die Vergangenheit, vergleichbar z. B.  mit der unbewussten Zeit unserer Embryonalphase. Das heißt, es bedarf einer tiefen inneren Versenkung an den Anfängen unserer Wahrnehmung, doch das reicht noch nicht, auch wenn wir uns von allen befreit haben , ist das absolute noch nicht erkennbar. Die Befreiung oder Erleuchtung lässt sich nicht erzwingen, sie ist ja schon da, nur sie leuchtet noch nicht in dem Bewusstsein des Suchenden.
Doch diese individuelle Erfahrung wird nur wenigen bewusst. Damit ergibt sich ein Problem für alle diejenigen denen eine Erleuchtung verschlossen bleibt - Sie gleicht einem festen Traum, einer Ahnung - sowie für den Farbenblinden die Pracht der Mohnblüte zu existieren scheint, da es
(bei allen Sehenden)  eine entsprechende Wahrnehmungsqualität beschrieben wird. Es stellt sich die Frage, sind die Auserwählten eine Bestimmung Gottes, oder die Götter der Mythologie? Vielleicht sind es aber nur der zeitliche Zufälle von Ursache (Meditation) und Ereignis (Erleuchtung) in der eine universelle Beziehung bewusst erlebt wird.
Es zeigt sich, dass diese meditative Wahrheitsfindung keine göttliche Wunder oder Vorhersehung ist. "
"Die Öffnung und die Bereitschaft für eine Bewusstseinserweiterung reicht aus",
erklärt der erleuchtete Jnani und Avaita-Meister "Ajja" aus Indien. Doch wer sich für den meditativen Weg und der  Öffnung seiner inneren Wahrnehmung entscheidet muss sich von allen äußeren Einflüssen befreien. Er muss die eigene Wichtigkeit verlieren; dadurch gewinnt man zusätzliche Energie um das Wesen der Dinge zu erkennen. Die Welt besteht in erster Linie aus Energie und erst in zweiter Linie aus Objekten. In der Meditation müssen wie unsere Wahrnehmung in kosmische Energie umwandeln, erst dann erkennen wir das Wesen der Dinge. Diese innere (meditative) Reinigung und Befreiung unserer Seele ist das TAO für das Absolute. 

Das Tao der Meditation

Der Lehrer Nagarjuno formulierte: (Anfang des dritten Jahrhunderts)
"Je mehr wir von der Welt entfernt sind - desto wirklicher erscheint sie uns;
- je näher wir ihr kommen, - desto weniger sichtbar wird sie - und entzieht sich uns wie eine Luftspiegelung".

Die westliche Denkweise verläuft in einer Kette von Ursache und Wirkung, These und Anti-These und enthält nur in ihrer Religion mystische Spuren. Dieses denken basiert auf einer wissenschaftlichen Logik und führt zum sich selbstbewussten "Ich". Das östliche Denken hält solche Subjektivität für bloße Sinnestäuschung. Es meidet Widersprüche die im Westen als emanzipierte Gegensätzlichkeit nach "Gleichberechtigung" anstreben.. Im Osten schafft man dagegen "Gleichwertigkeit". (s. unter Harmonie von Ying und Yang)
Im Westen philosophiert man das heißt man macht Aussagen;
im Osten
meditiert man das heißt man schweigt sich aus.

So strebt der Zen-Buddhismus, indem er die Gegensätzlichkeit überwindet, eine Ganzheitlichkeit an. Das fremdbestimmte Vernunftdenken entwickelt sich zu einer persönlichen  Meditation.
Die Betonung im Zen von Natürlichkeit und  Spontaneität wurzelt sicher im Taoismus, aber die Basis dafür ist streng buddhistisch. Er ist der Glaube an die Vollkommenheit unserer ursprünglichen Natur, die Erkenntnis dass der Vorgang der Erleuchtung lediglich darin besteht, zu werden, was wir schon von Anfang an waren. Als der Zen-Meister Po-Chang  nach der Suche der Buddha-Natur gefragt wurde, antwortete er: "Das ist, wie wenn man auf einen Ochsen reitet, um den Ochsen zu suchen".
2)

    Zen ist ein Weg zu fundamentaler Selbstverwirklichung durch Überwindung des Egozentrismus.
Der Buddhismus gilt als Religion ohne Dogma und kennt keinen Schöpfergott. Seine Verheißung ist, dass der Mensch aus eigener Kraft zu einer absoluten Wirklichkeit vorstoßen kann. Die Zen-Buddhisten erkunden das Wesen im Lotossitz sog. Zazen (bedeute Sitzen mit gekreuzten Beinen in Ruhe und tiefer Versenkung ) und kleideten ihre Weisheit in Poesie statt in mathematischen Formeln. Zen wurde ursprünglich aus dem indischen abgeleitet und bedeutet soviel wie "Selbstversenkung". Die Lehre des Zen-Buddhismus wurde 520 n. Chr. von dem legendären indischen Mönch "Bodhidharma" gegründet und nach China gebracht. In den Klöstern der Mönche entstanden Zenschulen. Im 12. Jahrhundert lernte der Japaner Eisai auf einer Chinareise die Lehre der "Rinsai-Schule kennen. Im 13. Jahrhundert brachte ein weiterer japanischer Mönch "Dogen" den Zen-Buddhismus in der Form der Sato-Schule nach Japan. Noch heute sind beide Konfessionen die Hauptrichtung im japanischen Zen-Buddhismus

Der Unterschied der Rinsai- und Satoschule:
Beide haben das gleiche Ziel - Satori - (Erleuchtung)

Sato: Der Sato - Mönch meditiert durch bloßes sitzen - Shikantaza, wobei die Meditation    von älteren Mönchen überwacht wird. Der schlag mit dem Holzstab soll den einschlafenden Mönch zur weiteren Meditation ermahnen.

Rinsai: Jeder Zen - Mönch muss sich in seiner meditativen Versenkung mit einem Rätsel  dem Koan auseinandersetzen. 

Der Weg des Zen-Buddhisten  im Kloster, ist hart und mit seelischer Pein verbunden. Der Rinsai- Mönch erlebt, durch das Rätsel des Koans, oft eine Meditationsqual, wobei der Koan ein ständiger Gedanke ist, dadurch wächst seine Konzentration bis die Spannung so groß ist, dass der rationale Gedanke nachgibt. Hierbei entsteht eine Rücksendung zu den Wurzeln des universellen Bewusstseins, die den Geist für eine neue Art zu sehen öffnet. So die Aussage von Professor Heinrich Dumoulin an der Sophia-Universität. Mit dieser Aussage lässt sich, für einen Unwissenden, wenig anfangen. Doch um die östliche Mystik zu verstehen muss man die Logik der westlichen Philosophie ablegen.7)In der östlichen Mystik dagegen war man sich immer darüber klar, dass die Realität über die gewöhnliche Sprache hinausgeht. So wurden die Grenzen der Logik und deren Begriffe, von den Weisen des Ostens, überschritten. Das taoistische Hauptwerk Laotzu »Das Tao Te Ching«, ist voll von verblüffenden Widersprüchen, Paradoxen und poetischer Sprache. Das verstehen dieser Werke ist nur durch die Aufdeckung der Paradoxen möglich. Die Buddhisten haben die verbale Mitteilung über das paradoxe Koran-System übernommen. Koan bedeutet wörtlich Urkunde oder eine gesetzliche Verordnung (ein Ausdruck aus der Tang-Dynastie) Heute bedeutet es die Anekdote eines alten Meisters, oder das Zwiegespräch zwischen Meister und Mönch. Sie ist auch die Feststellung einer Frage die vom Meister gestellt wurde. Koan ist ein Mittel das dazu dienen soll, den Geist für die Wahrheit des Zen zu öffnen.
Doch, was ist Zen? Es ist einfacher zusagen was Zen nicht ist:

Zen hat keinen Gott
Es ist das Gegenteil von Logik
Es ist keine Religion
Es ist kein Gesetz und kein System - Zen ist der Geist als Ganzes-.

Im Zen ist die Meditation Nebensache. Zen strebt die Übung des Geistes an um die Einsicht in seinem eigenem Wesen zu erkennen. Dieses Eindringen in die wahre Natur des Geistes oder der eigenen Seele ist der Grundgegenstand des "Zen-Buddhismus". Zen bedeutet mehr als Meditation. Das Ziel der Zenübung ist das erreichen eines neuen Blickpunktes für die Einsicht in das Wesen der Welt.
Die Zen-Botschaft wirkt im inneren einer Seele und zwar immer nur in einer Seele, Zen ist somit intim, dass heißt, nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit möglich. Wer gewohnt ist nach den Regeln des Dualismus logisch zu denken, muss sich von diesen Regeln frei machen, und mag dann den Standpunkt des Zen ein wenig näherkommen. Zwei Menschen leben scheinbar in der gleichen Welt, aber wer kann sagen, ob das Ding, das sie gemeinhin einen Stein nennen, der vor ihrem Fester liegt, für beide das selbe ist? Er und Sie, sie beide schlürfen eine Tasse Tee. Die Handlung ist offenbar die gleiche bei den beiden, aber wer will sagen, welche riesige Kluft subjektiv zwischen seinem Trinken und ihrem Trinken liegt? In seinem Trinken mag kein Zen sein, während das ihre übervoll davon ist. Der Grund dafür ist: Er bewegt sich in einem logischen Zirkel, und sie ist außerhalb dieses Zirkels. Obgleich in Wirklichkeit in dem sogenannten neuen Blickpunkt des Zen nichts Neues liegt, so ist der Ausdruck »neu« doch angebracht für den Weg des Zen zur Anschauung der Welt. Die Erreichung des neuen Blickpunktes im Zen heißt "Satori"  Verbalform »satoru« (wu im Chin.). Satori kann nicht erläutert werden, es ist ein Erlebnis welches nicht mit menschlichem Wissen zu erklären ist. Der Mensch besitzt kein eigenes ursprüngliches Wissen, er hat es sich angeeignet. Satori ist ursprünglich und persönlich, wollte man es in einem Begriff verwandeln, hört es auf , Satori zu sein. Daher ist das einzige, was im Zen gelehrt werden kann, anregen und einen Weg (Tao) zeigen, auf dem eines Menschen - Geist selber zum Ziel gelangen kann. Ist der Mensch und sein Geist reif für Satori, so bricht es ohne Anzeichen, meist durch einen nichtigen Anlass, der in keinem Verhältnis zu dem Erlebnis steht, wie eine gewaltige Explosion, auf ihn herein. Alles was der Erleuchtende erlebt ist nicht neu es war immer schon da, nur seine Augen haben diese Wahrheit nicht erkannt.
Doch was ist Erleuchtung?
Erleuchtung oder das letztendliche Ziel allen spirituellen Strebens ist die direkt erfahrene Erkenntnis des seinem Wesen nach Absoluten.
Doch was bedeutet dieses Absolute und was hat es mit dem menschlichen Leben zu tun? Wenn wir unsere grundlegende Einstellung zum Leben durchleuchten, wird die Frage was "Absolut" ist schon bald sehr viel wichtiger werden als wir gedacht haben. Dies geschieht nicht zuletzt, weil die Überzeugung über die Beschaffenheit der Wirklichkeit einen großen Einfluss auf unsere Beziehung zum Leben haben. So haben diejenigen von uns, die davon überzeugt sind, dass es letztlich etwas gibt das Absolut ist (Gott, Erlösung, Erleuchtung....) eine positive Einstellung zum Sinn des Lebens als diejenigen die davon überzeugt sind, dass es nichts gibt.

Shankara, der berühmte indische Lehrer aus dem achten Jahrhundert und Begründer der Advaita-Philosophie (vedantischen Non-Dualismus, der  "Nicht zwei" Philosophie), bezeichnet das was absolut ist, als "reines Bewusstsein" oder "Fülle".11)
Gautama Buddha hingegen ist für seine Aussage berühmt, dass Absolute ist "Leere". Wenn nun die Grundlegende Definition des Absoluten von den Erleuchteten selbst als unterschiedliche Erfahrung erkannt wird, wie soll dann die Frage beantwortet werden, was Satori mit dem menschlichen Leben zu tun hat?
Doch könnte nicht Leere und Fülle gleichbedeutend mit der philosophischen Aussage vom "Nichts und Alles"  oder mit den Widerspruch aus der Quantenphysik, dass Atome gleich "Wellen als auch Teilchen" sind, verstanden werden? Also eine unterschiedliche Bezeichnung für den qualitativ gleichen Zustand einer subjektiven Wahrnehmung.
Oder führt uns die unterschiedliche Beschreibung des "Absolute
n" zu dem Schluss, dass Erleuchtung die direkte Erkenntnis dessen ist, was in der westlichen Religion mit Gott, Liebe oder Christusbewusstsein ihren Ausdruck findet
Doch, die westliche Logik teilt die Welt in Subjekt und Objekt, die westliche Religion in Diesseits und Jenseits. Wahrheit ist jeweils anders definiert. Die Widersprüche zwischen Welt und Gott werden z.B. in der katholischen Lehre durch den "Heiligen Geist", der sich im Papst und im Kardinalskollegium unfehlbar äußert und in der Kirche als permanente Offenbarung wirkt, überwunden.
Im Denken des Ostens kommt es nicht zu solchen Widersprüchen: wahr ist allein das Ein-Alle.12)
So zeigen uns die Aussagen Buddhas und Shankara, dass es letztlich etwas gibt, dessen Verwirklichung uns befreit, wobei es Phänomene gibt, die wir zwar erleben aber nicht erklären können, und tun wir es doch, so ist ihre Interpretation ein Schwindel erregendes Unterfangen, dass es andere verstehen würden.
Der östliche Weg des Zen ist eine mystische und geheimnisvolle Offenbarung zwischen Geist und Universum, so ist auch die Sprache der Zen-Buddhisten nicht mit einer westlichen Logik zu verstehen. Sie findet ihren Ursprung aus der Weisheit meditativer Erkenntnis. Die Grenzen einer logischen und rationalen Erklärung werden durch  irrationale Elemente der Mystik überschritten.

Als der Zen-Meister Daito den Kaiser Godaigo, der Anhänger von Zen war, sah, sagte er:
 
Wir gerieten vor vielen Tausend Kalpas auseinander, doch wir waren nicht einen Augenblick getrennt. Wir sehen uns gegenseitig den ganzen Tag lang an, aber wir haben uns nie getroffen.7)

Das Problem der Sprache ist für die östlichen Mystiker genau das gleiche wie für die moderne Physik. Sie wollen ihr Wissen mitteilen und tun dies mit Worten. In der subatomaren Welt der Physik sind die Aussagen genauso paradox und voll von logischen Widersprüchen wie die Aussagen der östlichen Mystiker über das Tao der Meditation. Das überschreiten der Logik und deren Begriffe im Zenbuddhismus ist der Hintergrund für Suche nach der Wirklichkeit.
Die irrationale Wortwahl und der paradoxe Inhalt eines Koans machen es unmöglich, sie durch das Denken zu begreifen oder zu lösen. Sie sollen den Denkprozess anhalten um so den Schüler für die nonverbale Wirklichkeit empfänglich zu machen.

Eines der besten Koans ist »Mu« weil es der einfachste ist
Ein Mönch fragt Joshu den Zen-Meister: Hat ein Hund Buddhawesen oder nicht? Joshu versetzte "Mu" (wörtlich übersetzt bedeutet das "nein" oder "nichts"). Doch die Bedeutung liegt nicht hierin. Mu ist der Ausdruck des lebendig wirkenden, dynamischen Buddhawesen. Die Aufgabe besteht darin: Nach dem Geist und innerstes Wesen des Mu zu suchen.

Alle diese Koans haben mehr oder weniger einzigartige Lösungen, die ein Zenmeister sofort erkennt. Ist die Lösung gefunden so hört das Rätsel auf, paradox zu sein, und wird zu einer bedeutungsvollen Aussage des Bewusstseinszustandes.
     Setzen wir die Lösung eines Koans und das Erlebnis einer Bewusstseinserweiterung in eine Beziehung, so ist ihr gemeinsamer Bezug, die Meditation.
Wer das Nirwana oder den Sinn nach seinem Ursprung sucht muss aber nicht unbedingt  in die Fußstapfen des Dalai Lama oder den Prototyp des Suchenden Siddhartha Gautama ( geb. 560 v.Chr.) treten. Er muss nur das Vertrauen haben, dass man zur Einsicht gelangen kann.
Die Praxis der Meditation oder die Phänomenologie des Suchens ermöglicht eine Trennung von Sein und Wahrheit. Sie wird nach der chinesischen Auffassung von einem anderen Geist bestimmt. Lao- tzu, der früheste taoistische Weise, formuliert diese Auffassung der Realität folgendermaßen:
Was halb ist, wird ganz werden.
Was krumm ist, wird gerade werden
Was leer ist, wird voll werden.
Was alt ist, wird neu werden.
Wer wenig hat wird bekommen.
Wer viel hat, wird benommen.

Chuang-tzu, der taoistische Philosoph sagt.
Wo es Leben gibt, da ist  Tod und wo es Tod gibt, da ist Leben.
Wo es die Möglichkeit gibt, da gibt es die Unmöglichkeit, und wo es die Unmöglichkeit gibt, da ist die Möglichkeit.
Weil es Recht gibt , gibt es Unrecht.........

Veränderung und Umwandlung stellen für die Chinesen die einzigen Konstanten dar. Dinge können gleichzeitig sein und nicht sein. "Yin und Yang" schaffen einander, implizieren einander und schließlich und endlich ist das eine das andere.
Der westliche Philosoph Hegel, kommt im 19 Jahrhundert mit seiner Anschauung, der chinesischen Philosophie am nächsten. In der "Hegelschen Dialektik", die Philosophie der Vernunft ist die Beziehung von Yin und Yang begründet. Hegel ergründete das Wesen der Dinge nicht aus dem Dasein sonder aus dem Ansichtsein, also nicht aus der Sicht der Wahrnehmung sondern aus der Wahrhaftigkeit. Dennoch sind die chinesische-taoistische Philosophie  und die Hegelsche Dialektik nicht das selbe. Die chinesischen  Yin und Yang-Philosophie beinhaltet keinen Prozess der Vernunft.
Die meditative Suche besteht zunächst darin, eine Harmonie zwischen den Gegensätzen von Yin und Yang zufinden. Sie ist der Koan die aus der westlichen Denkweise und der östlichen Philosophie eine harmonische Beziehung ermöglicht.

Ein Grundelement der chinesischen Philosophie ist das Yin-Yang-Prinzip
Der Kreis, in dem sich das eigentliche Symbol befindet heißt wu-ki Er steht für den Umfang des Universums, für den Urgrund des Seins. Er repräsentiert einen Zustand der exsistiert und doch nicht exsistiert, weil alle Gegensatzpaare, die in ihm enthalten sind, sich gegenseitig neutralisieren und somit wirkungslos sind. Es ist ein Zustand höchster Harmonie. Die Chinesen nennen ihn "Tao". Aus diesem Uranfang entstand das Universum. Die Harmonie begann sich zu entfalten. Die Gegensätze brachen auseinander und traten in Erscheinung. Yin und Yang, das erste Gegensatzpaar, wurde geboren. Sie sind das Symbol für sämtliche Gegensätze, aber in Wirklichkeit ergänzen sie sich zu einer übergeordneten Ganzheit. 

Heute hat die Entwicklung auch den Zen verändert. Es gibt zwar noch immer Zen- Mönchklöster. Aber es haben sich neue Formen der Zenausübungen entwickelt. So wird das praktizieren dieser Meditation, in Japan, als Freizeitübung wie Tennis oder Joggen durchgeführt, wobei es aber mehr bringt, sagen die Zenbuddhisten. Man bekommt durch Zen ein besseres Verständnis für das Leben. Es verhilft zur Seelenruhe, Stressbewältigung und zur neuen Sichtweite für Schönheit und Natur. Diese Übung hat nicht den Anspruch auf "Satori". Sie dient der Lebenserleichterung und nicht der Lebensergründung. Für die westliche Kultur und Philosophie ist sie vielleicht ein erster Schritt auf dem Weg der Erkenntnis.

Am Ende meiner Ausführungen ist nur gewiss, dass:
Schöpfer und Schöpfung  nicht die Ursache und Wirkung unserer Evolution waren, sondern Raum und Zeit.

Zusammenfassend stellt sich in meinen Ausführungen, über die Physik, Philosophie und Meditation, immer noch die Ausgangsfrage "woher wir kommen und wohin wir gehen". Doch es zeigt sich, dass ein gemeinsamer Konsens zwischen der westlichen Wissenschaft und der östlichen Mythologie möglich ist.
Wenn uns die Naturwissenschaft sagt,
alles ist Materie, sogar das menschliche Bewusstsein, besteht nur aus materielle Verknüpfungen einzelner Neuronen; und die gesamte Energie im Universum stammt aus dem Vakuum einer Singularität, die sich erst durch unsere Wahrnehmung zur einer materiellen Einheit entwickelt.
Wenn uns die Philosophie lehrt,
dass alles in einer Beziehung steht und alles mit allem verbunden ist, das also die Welt nicht aus Einzelteilen besteht, sondern das jedes Teil durch seine universelle Beziehung eine kommunizierende Einheit bildet.
So zeigt uns die Weisheit der asiatischen Mystik,
dass diese allgegenwärtige Einheit die wahre Natur unseres Dasein darstellt. Wenn wir uns von der illusionären Wahrnehmung unserer Sinne befreien, wird uns bewusst, dass wir Teil dieser universellen Einheit sind. Die Frage (das Koan) nach dem Sinn des Lebens stellt sich dann nicht mehr!

Wenn die asiatische Philosophie mit dem "Nicht-Dualismus" (keval advaita) der Wirklichkeit am nächsten kommt, dann ist die absolute Wirklichkeit, das "Brahman" die unteilbare Weltseele. Dies würde bedeuten, dass unser Glaube: "Jeder hätte eine Seele und der Andere sei etwas anderes als wir", eine Illusion ist. In Wirklichkeit sind wir Facetten ein und der selben Seele. Deshalb brauchen wir keine Angst vor dem Sterben zu haben. Nichts kann wirklich sterben. Das Einzige,  was bei unserem Tod stirbt ist die Illusion.

 

Vom Sinn des Lebens

Welches ist der Sinn des Lebens, welches der Sinn des Lebens aller Lebewesen überhaupt? Eine Antwort auf diese Frage wissen, heißt religiös sein. wer sein eigenes Leben und das seiner Mitmenschen als sinnlos empfindet, der ist nicht nur unglücklich, sondern auch kaum lebensfähig. Nach dem Sinn und Zweck des eigenen Daseins sowie des Daseins der Geschöpfe überhaupt zu fragen, ist mir von einem objektiven Standpunkt aus, stets sinnlos erschienen.
                                                                                                                                                           Albert Einstein

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Wilfried Louis  2001 -2005                                                                 ©  Copyright

    Quellennachweis:

1.) Auszug aus dem P.M. Magazin, Ausgabe 6/97 Titel. "Wir suchen das NICHTS... Und finden ALLES"

2.) Auszug aus:"Das Tao der Physik" von Fritjof Capra, Scherz Verlag O. W.

3.) Auszug aus:  Reportage-Magazin "GEO". Ausgabe 1/Januar 1999. Titel "Wer erklärt uns die Welt".

4.)Auszug: Mathias Bröckers "Das sogenannte Übernatürliche" ( Eichhorn, 1998 ) Kapitel: Der Kosmos im Kopf.

5) Vgl. R.M. Bucke Kosmisches Bewusstsein - "Die Evolution des menschlichen Geistes" (1993)  Der begriff wird später von Teihard de Chardin: "Der Mensch im Kosmos" ( 1959 ) aufgegriffen

6)Auszug aus:  P:M: Magazin, Ausgabe 11/95 Titel: Zen-Buddhismus: Ein bisschen Erleuchtung kann jeder kriegen

7)Auszug aus dem Buch: "Das Tao der Physik", Fritjof Capra-Scherz Verlag (O.W. Barth Buch)

8) Auszug aus : "Das Große Buch der chinesischen Medizin" v. ted J. Kaptchak O.W. Barth Verlag
                           
11. Auflage / Kapitel 16 / Die Untersuchung: Das sammeln von  Zeichen und Symptomen

9) Auszug aus: "Die große Befreiung, Einführung in den Zen-Buddhismus von Daisetz T. Suzuki / W. Barth Verlag 1983

10) Auszüge aus dem Magazin "GEO" (Ausgabe Nr.9/Sept. 1999Das neue Bild der Erde. Artikel: Zukunft: An den Grenzen der     Erkenntnis? Redakteur Dr. Stefan Klein

11) Auszug aus der Fachzeitschrift "Was ist Erleuchtung / Ausgabe 03-2000 "Die Begegnung mit dem Absoluten" Seite 33
     
Siehe auch: http://www.was-ist-erleuchtung.de

12) Auszug aus dem Buch "Östliches und westliches Denken" von Walter Weiss ISBN 3-85128-045-8 1990 hpt Verl.-Ges. (kurz & bündig)

* Das Tao: Wird manchmal als Weg übersetzt. Es gibt aber in der westlichen Welt kein zufriedenstellendes Äquivalent, sogar in der chinesische Sprache entzieht es sich dem Versuch, seine Bedeutung genau zu definieren. Das Tao als letzte Wirklichkeit kann erfasst werden, aber dieses Erfassen muss innerhalb des Kontextes von ständigem Fluss sowie der wechselseitiger Verbundenheit aller Dinge und ihrer Dynamik geschehen.
                    

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Wilfried Louis  2001                                                                 ©  Copyright